No war but class war

Für beide hier gezeigten Platten gilt: Schöne Sache, coole Technik und wichtiges Thema. Aber die Forderung nach einer „Befreiung“ der Iraner per US-Militär… nun ja. Kriegsgeile „Realpolitik“ gehört auf die Bahamas, aber nicht in das Repertoire einer emanzipatorischen Linken.

Da ist es doch noch schön zu sehen, wenn bei Problemen vor Ort Einigkeit herrscht… so z. B. am vergangenen Montag, als irgendwelche Nasen zu Gedenk-Flashmobs in ganz Deutschland anläßlich des Todestages des Hitler-Stellvertreters Hess aufriefen, und genau das von engagierten Antifaschisten sowohl in Neunkirchen als auch in Saarbrücken verhindert wurde. Wie es aus verschiedenen Ecken heißt, durften dabei in Saarbrücken die bekannten Neonazis Dominik „Hurensohn“ Kleer aus Friedrichweiler (früher Kameradschaft Saarlautern, Aktionsbüro Saar und dann Junge Nationaldemokraten [JN]) und Dennis Vier aus Riegelsberg etwas von ihrer eigenen Medizin kosten.


11 Antworten auf “No war but class war”


  1. 1 W.F.K. 20. August 2009 um 10:12 Uhr

    Zwar ist es eine Schwäche zuzugeben, dass die emanzipatorische Linke und alles was sich dafür hält nicht in der Lage ist, „internationale Brigaden“ in den Iran zu schicken um wenigstens so einen bürgerlichen Scheiß wie „frei Wahlen“ möglich zu machen und zu verhindern, dass der Mord an Homosexuellen zum Gesetz gemacht worden ist.

    Nun gegen einen Einsatz von Militär zu wettern, bedeutet nix anderes als diejenigen im Iran die nach ein Wenig Freiheit lechzen den Schlägertruppen des Regimes und den Tugendwächtern zu überlassen.

    Ist das deine Vorstellung von „internationaler Solidarität?“

  2. 2 Administrator 20. August 2009 um 14:38 Uhr

    Internationale Solidarität mit der Freiheitsbewegung im Iran kann imho viele Gesichter haben. Das kann von symbolischen Sympathiebekundungen für deren Kampf über Angriffe auf die deutschen Kollaborateure der islamischen Republik bis zur finanziellen/materiellen Hilfe für emanzipatorische Zusammenhänge im Iran gehen.

    Andere Möglichkeiten haben wir nicht. Die emanzipatorischen Teile der iranischen Bevölkerung werden sich mit den Mullahs, dem Militär und den anderen Gegnern des Fortschritts selbst auseinandersetzen müssen, denn: Derzeit gibt es keine relevante militärische Macht (wie z. B. potentielle „Internationale Brigaden“) mit dem tatsächlichen Interesse an freiheitlicheren Verhältnissen im Iran.

    Auch die von dir favorisierten USA sind daran nicht interessiert. Waren sie im Kosovo nicht, in Afghanistan nicht, im Irak nicht.

    Was mit diesen Kriegen erreicht wurde, sehen wir heute. Ist das deine Vorstellung von „Befreiung“?

  3. 3 Hackepeter 21. August 2009 um 10:52 Uhr

    Hallo. Hab heute die Fotos gesehen und gelesen, was du dazu geschrieben hast. Da ich deiner Meinung nicht folgen kann, habe ich gedacht ich schreibe mal was dazu:

    Du kritisierst, dass die Platte auf dem zweiten Foto eine Befreiung des Irans per US-Militär fordert und folglich kriegsgeil und antiemanzipatorisch sei.
    Wie kommst du darauf? Die Aussage der Platte ist „FREEDOM means FREE THEM“, was so viel heißt wie „Feiheit heißt sie befreien“. Kriegsgeile Stimmungsmache würde wohl eher einen sofortigen Einmarsch oder die Bombadierung des Irans fordern. Ich denke, der Künstler wollte lediglich die Aussage machen, dass der Option einer militärischen Intervention nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberzustehen ist, aus der Erkenntnis, dass sich die Menschen im Iran nicht selbst vom dortigen Regime befreien können.
    Ich kann auch nur nochmal auf den Artikel der Gruppe Morgenthau „Antifa ohne Worte“ verweisen. Eine antimilitaristische Haltung ist nicht per se emanzipatorisch.
    Aber überrascht bin ich auch über die Tatsache, dass die Platte auf dem ersten Foto überhaupt nicht von dir kritisch hinterfragt wird. Wenn die Menschen, die im Iran gegen das Regime auf die Straße gehen, einen kommunistischen Stempel aufgedrückt bekommen ist das meiner Meinung nach total falsch. Hier stellt sich doch die Frage, wie groß überhaupt der Teil derer ist, die unseren Ansichten nach überhaupt emanzipatorisch sind. Da du genau dies nicht aufgreifst, werfe ich dir jetzt einfach mal vor auch zu den Leuten zu gehören, die denken mit ein bisschen Action gegen Mercedes und Siemens stärken sie die iranische Opposition und lassen die Revolution, die ihrer Meinung nach kurz bevorsteht, noch schneller vonstattengehen. Und klar wird die Revolution, eurer Auffassung nach, zum Kommunismus führen.

    Wenn kriegsgeile Realpolitik auf die Bahams gehört und nicht ins Repertoire einer emanzipatorischen Linken, wohin gehört dann die gewaltgeile Forderung nach Jagd und körperlicher Sanktion gegen Politiker, die Geld für Jugendzentren eingefrieren?

  4. 4 W.F.K. 21. August 2009 um 10:57 Uhr

    … bis wohin lässt sich denn deine Aufzählung fortführen, lieber ADMIN. Gehts etwa bis in die 40er Jahre? Oder ab wann würdest du da einen Schwenk in der US-Außenpolitik feststellen?

  5. 5 Administrator 21. August 2009 um 15:02 Uhr

    Hallo Hackepeter,

    was genau kannst du nicht folgen? Der Einschätzung, dass der Künstler mit der zweiten Kachel die militärische „Befreiung“ des Iran vom dortigen Regime fordert, oder meiner Beurteilung dessen als „kriegsgeil“ und „antiemanzipatorisch“?

    Was die Interpretation der Platte angeht, kann ich da keinen Anhaltspunkt für deine These erkennen. Wer zwei US-Soldaten in Kampfmontur mit einem solchen Spruch kombiniert, meint das „FREE THEM“ imho eindeutig als Aufforderung bzw. Zustimmung zu einem Krieg gegen Iran. Und gerade mit dem Wissen, aus welchen politischen Ecken solche Dinge (wie diese Kacheln) in der Art und Weise zu diesem Thema nur kommen können, halte ich den Spekulationsraum für doch sehr beschränkt.

    „Antifa ohne Worte“ ist übrigens der Text der Autonome Antifa [F], die Gruppe Morgenthau hat für ihre Antwort den durchaus passenden Titel „Worte ohne Antifa“ gewählt.

    Was die erste Platte angeht, muss ich dir so halb Recht geben. Natürlich sind die wenigsten der für Freiheit im Iran Kämpfenden Kommunisten, und noch weniger davon sind unserem Verständnis nach wirklich emanzipatorisch eingestellt. Aber ich denke nicht, dass der Künstler das so gemeint hat, wie du es interpretiert hast. Schließlich geht es im Iran erstmal nicht um Kommunismus oder sonstigen Schmu, sondern um bürgerliche Freiheiten, Menschenrechte, gleichberechtigte Teilnahme am Kapitalismus für alle.

    Das alles hättest du aber auch z. B. im Beitrag „Antifa Action Teheran“ lesen können.

    Zu deiner letzten Frage: In den Verfassungsschutzbericht?

  6. 6 Administrator 21. August 2009 um 15:16 Uhr

    Mein lieber W.F.K., Kriege werden nicht wegen Menschenrechtsverletzungen geführt, sondern aus wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen.

    Dass auch Nazi-Deutschland nicht wegen des Holocausts platt gemacht wurde, dürfte ja auch kein Geheimnis mehr sein.

    Dazu Martin Rheinlaender:

    „Die Alliierten, weder die aus dem Westen noch die UdSSR, haben zu keinem Zeitpunkt das Ziel verfolgt, »Deutschland vom Faschismus zu befreien«. Es gab natürlich in den Staatsapparaten der USA wie Großbritanniens Funktionäre sowie Militärs, die ehrlich davon überzeugt waren, daß dies ein moralisch gerechter Krieg war, weil er gegen die schlimmsten Unterdrücker der damaligen Zeit gerichtet war. Es gibt viele solcher Beispiele, sie machen nur deutlich, welche Funktion der Antifaschismus als Leitideologie hatte; aber sie erklären nicht die Politik der Alliierten – von den 30er bis in die späten 40er Jahre hinein. Die Befreiung der Überlebenden aus den Konzentrationslagern war ein glückliches, aber eben auch beiläufiges Ergebnis der alliierten Kriegspolitik. Als die ersten Hunderttausend in den Konzentrationslagern saßen, in der Mitte der 30er Jahre, stand das nationalsozialistische Regime bei den Westmächten hoch im Kurs. Später räumten Vertreter der Alliierten ein, man habe damals Fehler gemacht, indem man dem NS-Regime freie Hand ließ.

    Tatsächlich folgte die damalige Beschwichtigungspolitik (»Appeasement«) einer recht klaren Logik: Das NS-Regime räumte im Innern mit jeder Art von proletarischem Widerstand – auch in den eigenen Reihen – auf, und man tolerierte jeden Vertragsbruch – wie die vollständige Wiederaufrüstung –, weil man so hoffte, die Expansionsinteressen des deutschen Reiches nach Osten lenken zu können, also gegen die UdSSR. Auch die sowjetische Führung ging anfangs noch davon aus, daß sich jenes Bündnis zwischen deutschem Reich und UdSSR, das es seit den 20er Jahren gegen die Siegermächte von Versailles gab, verlängern ließe. Stalin selber verglich damals die deutsch-sowjetischen Beziehungen mit den italienisch-sowjetischen, d.h. mit den guten Beziehungen zwischen der UdSSR und dem faschistischen Italien seit den 20er Jahren. Die Haltung der sowjetischen Regierung gegenüber dem NS-Regime änderte sich erst mit den eindeutigen Signalen der deutschen Regierung, als diese nämlich die Bündnisbeziehungen faktisch aufkündigte. Dies war der Moment, als die Führung der UdSSR und KPdSU den demokratischen Antifaschismus proklamierte und das Bündnis mit den Westmächten gegen Deutschland suchte.“

    http://www.wildcat-www.de/zirkular/17/z17antif.htm

  7. 7 W.F.K. 21. August 2009 um 21:56 Uhr

    Lieber Admin,

    zeigen die Ausführungen des Herrn Rheinlaender nicht in aller Deutlichkeit auf, dass eben jene Appeasement-Politik die dazu geführt hat, dass sowohl die rote als auch die westalliierten Armeen viel zu spät damit begannen gegen Nazideutschland vorzugehen es ist, die es zu bekämpfen gilt.
    Ergo innerhalb der Linken für einen Militärschlag gegen das iranische Regime und gegen das Merkel und Obama – Appeasement zu agitieren?

    Sicherlich wäre zu wünschen, dass die iranischen Studenten und die bereits seit Jahrzehnten zerschlagenen und quasi nicht mehr existierenden KommunistInnen dem Regime den Garaus machen – womöglich beflügelt -wie admin schreibt- „von symbolischen Sympathiebekundungen für deren Kampf über Angriffe auf die deutschen Kollaborateure der islamischen Republik bis zur finanziellen/materiellen Hilfe für emanzipatorische Zusammenhänge im Iran“. Allerdings haben die Kämpfe gezeigt,dass das Regime willens ist seinen Machtanspruch mit allen Miteln auch gegen den Willen der eigenen Bevölkerung zu verteidigen.

    Und was du – lieber admin – völlig ausser Acht lässt ist die Bedrohung Israels durch den Iran. Sobald das Regime zur Nuklarmacht mutiert ist, könnte es wieder zu spät sein.
    Und wie 1945 trotz Sieg über die Deutschen das Projekt der Vernichtung der europäischen Juden nahezu vollendet war, könnte es in einem Jahr schon wieder zu spät sein.

  8. 8 Administrator 24. August 2009 um 16:58 Uhr

    Lieber W.F.K.,

    sorry, dass ich erst jetzt zurück schreibe.

    Der Iran ist nicht Nazi-Deutschland, Ahmadenischad ist nicht Adolf Hitler. Und auch die gegenüber dem Iran betriebene Politik hat nichts mit dem Appeasement der 30er Jahre zu tun.

    Natürlich ist der Iran eine Diktatur, in der es zu Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit kommt, in der Homosexuelle an Baukräne gehängt werden, in der nichtmuslimische religiöse Minderheiten benachteiligt werden, … diese Liste ließe sich, wie wir alle wissen, noch erheblich fortsetzen.

    ABER: Das ist nicht mit der totalitären Diktatur der NSDAP in Deutschland zu vergleichen, weder unter innenpolitischen noch unter außenpolitischen Aspekten betrachtet. Wer das tut, handelt entweder gegen besseres Wissen und nimmt damit eine Relativierung des Nationalsozialismus in Kauf, oder hat keine Ahnung von was er spricht.

    Wer daran zweifelt, sollte sich mal etwas mit dem Nationalsozialismus und seinen wesentlichen Merkmalen sowie der weltpolitischen Lage seit dem Ende des 1. WK beschäftigen.

    In diesem Zusammenhang von Appeasement zu sprechen, halte ich auch für sehr gewagt. Denn was ist Appeasement? Ist es nur die Tatsache, dass man mit „Feinden“ redet? Nicht wirklich. Beim Münchner Abkommen von 1938 gewährte der damalige britische Premierminister Neville Chamberlain Hitler, das Sudetenland für sich zu beanspruchen. Diese Appeasement-Haltung, welche die territoriale Integrität der Tschechoslowakei zugunsten der Vermeidung einer militärischen Konfrontation mit Hitler-Deutschland opferte, hat jedoch nicht die machtpolitischen Ambitionen des Nationalsozialismus gestillt, sondern diesen ganz im Gegenteil Auftrieb gegeben. Zu behaupten, die USA würden dem Iran in der Region freien Lauf lassen, wäre doch sehr abenteuerlich.

    Weiterhin war die Münchener Konferenz nur der Höhepunkt der westlichen Appeasement-Politik. Hitler brach schon nach der Regierungsübernahme in Deutschland wesentliche Bestandteile des Versailler Vertrages, beispielsweise durch Aufrüstung der Wehrmacht, den Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Auch bei der illegalen Annexion Österreichs wurde geschwiegen. Der Unterschied zwischen dieser Politik und dem heutigen Umgang mit dem Iran liegt klar auf der Hand, auch völlig unabhängig von angeblichen Ähnlichkeiten der „Islamischen Republik“ mit dem „Dritten Reich“: Während Hitler eine Vereinbarung nach der anderen brach, hat der Iran das Recht zur zivilen Nutzung der Atomkraft, und dass an einer Atombombe gebaut wird ist nicht nachgewiesen.

    Zum Thema „Verhandlungen“ und Appeasement: Ronald Reagan verhandelte recht erfolgreich mit dem sowjetischen „Imperium des Bösen“, Richard Nixon reiste zu einer Zeit nach China, als dort Mao Zedong noch an der Macht war; John F. Kennedy sprach mit Chruschtschow, der zuvor den ungarischen Aufstand blutig niederschlagen ließ, damit schließlich die Kuba-Krise nicht zu einem Atomkrieg ausartete. Ganz zu schweigen von den vier israelischen Premierministern, die mit Arafat verhandelten, den Bush und Scharon (aber zu Recht) einen Terroristen nannten.

    Zum Thema Israel: Wer tatsächlich glaubt, der Iran hätte nichts besseres zu tun als eine Atombombe zu bauen um sie anschließend über Tel Aviv abzuwerfen…. nun ja. Das ist eine ziemlich hanebüchne Vorstellung. Warum auch?

  9. 9 W.F.K. 25. August 2009 um 10:51 Uhr

    Du bestreitest also die atomaren Vernichtungsankündigungen des iranischen Präsidenten und seiner Gefolgschaft? Du bestreitest also, dass seit mehreren Jahren an der Herstellung der notwendigen Zentrifugen zur Produktion atomwaffenfähigen Plutoniums gearbeitet wird. Dann ist es mit deiner Wahrnehmung noch schlimmer bestellt, wie ich ursprünglich annahm.
    Ist den vorderst genannten Punkten tatsächlich so oder habe ich da wa falsch verstanden?

  10. 10 Administrator 26. August 2009 um 16:55 Uhr

    Okay, vielleicht waren meine Formulierungen etwas missverständlich und flapsig. Um das also klar zu stellen:

    Es ist (soweit ich weiß) nicht erwiesen, dass der Iran an einer Atombombe bastelt. Es gibt unzählige Hinweise darauf, und vieles spricht dafür, aber definitiv erwiesen ist es nicht. Persönlich glaube ich zwar, dass der Iran wirklich nach Atomwaffen strebt, aber ich habe keine Beweise dafür, und auf Geheimdiensteinschätzungen aus aller Welt, die sich seit Jahren widersprechen und sowieso nicht vertrauenswürdig sind (mensch denke an die glorreichen Erkenntnisse des britischen Geheimdiensts bzgl. irakischen Massenvernichtungswaffen…), kann ich verzichten.

    Unbestritten ist, dass sowohl Mahmoud Ahmadinejad, als auch Ayatollah Ali Khamenei ebenso wie andere führende Persönlichkeiten (Militärs, Politiker und religiöse Autoritäten) der islamischen Republik Israel gedroht haben. Unabhängig vom Wortlaut der bekanntesten Äußerung („von der Landkarte gewischt“ vs. „Seiten der Zeit“), lassen die Rezeption dieser und anderer Ausfälle im Iran selbst keinen Zweifel daran aufkommen, wie das gemeint ist: Nämlich nicht als Wunsch nach einem Regimewechsel in Israel, sondern als Vernichtungswunsch gegenüber dem jüdischen Staat, wenn nicht sogar gegenüber allen jüdischen Lebens in der Region. „Marg bar Esraiil“-Rufe, die zum Standart-Repertoire Ahmadinejads bei öffentlichen Auftritten ohne ausländische Kameras gehören, verdeutlichen dies ganz gut.

    In dieses Bild passt auch die ideologische, finanzielle und materielle Unterstützung diverser Terror-Organisationen wie Hisbollah und Hamas.

    Trotzdem halte ich die Vorstellung vieler israel-solidarischer Beobachter, der Iran würde nach der Atombombe streben um sie zur Vernichtung Israels einzusetzen, für unrealistisch.

    Das iranische Regime schürt Antisemitismus und die Angst/Feindschaft vor/zu den USA/Israel um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Das ist nichts neues, ein Evergreen in der islamischen Welt. Der iranische Staat überlässt die Konfrontation mit Israel anderen, wie z. B. Hisbollah und Hamas. Der Antisemitismus nimmt in der iranischen Staatsideologie sicherlich nicht den selben Stellenwert ein wie im Nationalsozialismus, und hat im Vergleich zum Judenhass in Europa auch keine jahrhunderte lange Tradition, weder im Iran selbst noch in der größeren Region.

    Außerdem spricht einfach zu viel gegen einen iranischen Atomschlag, das wäre reiner Selbstmord. Abgesehen von der atomaren Vergeltung durch Israel, würde der Westen einem solchen Treiben sicher nicht tatenlos zu sehen. Und auch die arabische Welt, welche den Iranern sowieso misstrauisch gegenüber steht, wäre angesichts der Vernichtung Jerusalems und dem Tod mehrerer Millionen Araber und Muslime in Israel wohl nicht erfreut.

    Das iranische Regime möchte der erste „nicht-feindliche“ Staat im Nahen Osten mit der Waffe aller Waffen sein, die möchten ihren Anspruch auf eine Vormachtstellung in der Region bekräftigen und ihre Wehrhaftigkeit deutlich erhöhen. Aber ein Atom-Angriff auf Israel… glaub ich nicht.

    Trotzdem sähe ich den Iran natürlich auch lieber ohne Atomwaffen, und drücke deswegen dem Mossad meine beiden Daumen, auf das sich das iranische Atomprogramm genauso wie das irakische oder das erste ägyptische Atomprogramm ohne einen Krieg mit mehreren zehntausend Toten beenden lässt.

  11. 11 wfk 28. August 2009 um 8:15 Uhr

    Was sagt die Opposition dazu?

    hier ein Zitat aus einem offenen Brief der iranischen Grünen
    (Öko – nicht Islam)

    „(…)Wir vertreten die Meinung, dass in der Ideologie und in den bisherigen politischen Handlungen des Mullah-Regimes Antisemitismus, Menschenrechtsverletzungen und die kriegerische Expansion nach außen eine untrennbare Einheit bilden. Mit dem Besitz von Atombomben will das totalitäre System sein Fortbestehen im Iran gewährleisten.
    Die Atombombe in den Händen der Mullahs würde jedoch die Existenz der iranischen Bevölkerung und Israels bedrohen. Darüber hinaus können die atomar bewaffneten Mullahs zum Auslöser eines Dritten – nuklearen – Weltkriegs werden, also die Stabilität und den Frieden in der ganzen Welt gefährden.

    Wir, die Green Party of Iran sind der Meinung, dass die Appeasementpolitik mit dem Regime innerhalb des religiösen und nicht reformierbaren Systems wie ein Katalysator funktioniert: Es verschafft dem Regime die Möglichkeit, dessen ideologische Doktrin der Islamisierung nach Innen und Außen voranzubringen.(…)“

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