Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Out Of Area – Hamburg Reloaded

Sich fügen heißt lügen!

Vor 75 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934, wurde der Anarchist, Publizist und Schriftsteller Erich Mühsam im KZ Oranienburg ermordet. Der Sohn jüdischer Eltern und wichtige Akteur der Münchner Räterepublik war bereits am 28. Februar 1933 im Zuge der dem Reichstagsbrand folgenden Verhaftungswelle gegen Antifaschisten in „Schutzhaft“ genommen worden.

Mühsam wurde am Abend des 9. Juli 1934 zum Lager-Kommandanten Hörnig zitiert, der ihm zwei Tage vorher befohlen hatte, sich aufzuhängen (Reaktion: “Den Gefallen werde ich denen nicht tun, meinen eigenen Henker zu spielen.”). Der Gepeinigte, dem klar war was ihn erwartete, hatte seine wenigen verbliebenen Habseligkeiten schon vorher an seine Mitgefangenen verteilt. Als Mühsam beim Morgenappell fehlte, forderten die SS-Wachen die Gefangenen auf, den Verschwundenen zu suchen: sie fanden ihn aufgeknüpft in der Latrine.

Erich Mühsam war nach der NS-Machtübernahme der erste prominente Literat der Weimarer Republik, der als Opfer der Nazigewaltherrschaft sterben mußte. Er steht dadurch auch stellvertretend für die vielen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Publizisten und politischen Journalistinnen und Journalisten, die von den Nazis verfolgt, ins Exil getrieben und ermordet wurden.

Zur Erinnerung an ihn und sein politisches als auch literarisches Wirken, hier eines seiner bekanntesten Gedichte… R.I.P. Erich!

Der Gefangene

Ich hab’s mein Lebtag nicht gelernt,
mich fremdem Zwang zu fügen.
Jetzt haben sie mich einkasernt,
von Heim und Weib und Werk entfernt.
Doch ob sie mich erschlügen:
Sich fügen heißt lügen!

Ich soll? Ich muß? Doch will ich nicht
nach jener Herrn Vergnügen.
Ich tu nicht, was ein Fronvogt spricht.
Rebellen kennen beßre Pflicht,
als sich ins Joch zu fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Der Staat, der mir die Freiheit nahm,
der folgt, mich zu betrügen,
mir in den Kerker ohne Scham.
Ich soll dem Paragraphenkram
mich noch in Fesseln fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Stellt doch den Frevler an die Wand!
So kann’s euch wohl genügen.
Denn eher dorre meine Hand,
eh ich in Sklavenunverstand
der Geißel mich sollt fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Doch bricht die Kette einst entzwei,
darf ich in vollen Zügen
die Sonne atmen Tyrannei !
Dann ruf ich’s in das Volk: Sei frei!
Verlern es, dich zu fügen!
Sich fügen heißt lügen!

Out Of Area – Amsterdam Reloaded

Yo, der Wurst-Tang-Clan is back im Gebäude!

Marg bar dictator!

Gestern fand in Saarbrücken auf dem St. Johanner Markt eine Solidaritätskundgebung zur Unterstützung der iranischen Revolution gegen die islamische Diktatur statt.

Ausgerichtet wurde die Kundgebung von einem – anscheinend recht neuen, aber gut organisierten – Irankomitee, welches mehr als 300 Menschen auf die Straße bewegen konnte. Neben persischen Liedern aus Zeiten der Kämpfe gegen den Schah und einigen Parolen wie Marg bar dictator (Weg mit dem Diktator/Tod dem Diktator, womit in erster Linie Ayatollah Ali Khamenei gemeint ist, der oberste geistliche Führer des Iran) gab es Redebeiträge, u. a. von Peter Gillo (wirklich lame Rede, ungeheure Allgemeinschwafelei, typisch SPD), den Grünen (konkrete Forderungen, klare Worte gegen das gesamte iranische Staatswesen) und anderen Gruppen. Sogar die Junge Union war anwesend, und hatte im Gegensatz zu den Jusos und der Linkspartei keine Vereinsflagge, sondern ein selbstgemaltes Transpi für freie Wahlen im Iran dabei.

Auch wenn die Nationalflaggen-Schwenkerei zumindest fragwürdig ist, sollte den für Freiheit Kämpfenden im Iran unsere Solidarität sicher sein. Zwar ist letzlich auch eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Vorbild ein durch Bullenknüppel geschütztes Herrschaftsregime, aber das Maß an individueller und politischer Freiheit ist in einem solchen System doch wesentlich größer, als es in einer Theokratie je sein könnte.

Zum Thema nun folgenden Text von Stop the bomb.

Mit Bewunderung und Stolz, mit großer Hoffnung und tiefer Sorge blicken wir auf den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit, den Millionen Menschen und besonders die Frauen im Iran führen. Mit Wut und Verachtung müssen wir sehen, wie sie zu Hunderten von den Kräften der Diktatur geschlagen, gefangen, gefoltert und ermordet werden. Mit Empörung und Unverständnis sehen wir die Untätigkeit der deutschen Politik, die bestenfalls wohlfeile Worte für den Freiheitskampf im Iran übrig hat, und die Dreistigkeit der Wirtschaft, die gar nicht schnell genug wieder Geschäfte mit dem Regime machen kann.

Den kämpfenden Iraner_innen geht es nicht nur um einen neuen Präsidenten. Auf bewundernswerte Weise haben sie schon den Wahlkampf, der von den Machthabern als folgenloses Spektakel zwischen ausgewählten Regimevertretern geplant war, für ihre Wünsche genutzt. Sie haben dabei ihre Verachtung für das Regime wie ihre Hoffnung auf echte Veränderungen, die Moussavi weder hätte bewirken können noch wollen, ausgedrückt. In den nächtlichen Tänzen auf den Straßen wurde nicht Moussavi gefeiert, sondern Freiheit gefordert und schon in Ansätzen gelebt. Als dann der oberste Führer Khamenei seinen Kandidaten Ahmadinejad durch offensichtlich und dreist gefälschte Wahlergebnisse als Präsident bestätigt hat, ist ein Machtkampf innerhalb des Systems offen ausgebrochen. Die Bewegung hat sich in diesem Machtkampf nicht benutzen lassen, sondern hat ihn selbst genutzt. Die Frage nach den Wahlergebnissen ist längst obsolet, spätestens seit der Freitagspredigt Khameneis, der Ahmadinejad „definitiv“ zum Präsidenten ernannt hat, ist jeder weitere Protest offen und klar gegen das System der Islamischen Republik gerichtet. Daran muss sich die internationale Solidaritätsbewegung mit ihren Aktionen und Forderungen orientieren. Die Frage „Where is my vote?“ ist ebenso veraltet wie die Forderung nach Neuwahlen im bestehenden System.

Entweder wird der Putsch, der mit der gefälschten Wahl begann, mit aller mörderischen Brutalität durchgeführt, die Toten der letzten Tage und das Massaker der letzten Nacht waren dann nur der Auftakt zu zahllosen weiteren Morden und „Säuberungen“. Seit Jahren werden die Basiji-Milizen und Revolutionsgarden vor allem für den Kampf gegen die iranische Bevölkerung ausgebildet und indoktriniert. Khamenei und Ahmadinejad werden mit offener Gewalt herrschen, das Atomwaffenprogramm vorantreiben und nicht zuletzt damit den Iran und die gesamte Region in Krieg und Verderben steuern.

Oder die iranische Revolution, die derzeit im Gange ist, wird einen echten Wandel bewirken. Eine Regierung, die nicht Gott, sondern der Bevölkerung gegenüber verantwortlich ist, wird für die Menschen im Iran wie für Israel und den Rest der Welt keine Gefahr mehr darstellen. Den „Tod Israel!“-Rufen der regimetreuen Kräfte haben die Protestierenden, die im wahnhaften Weltbild Khameneis von „dreckigen Zionisten“ gelenkt werden, bereits ihr „Tod dem Diktator!“ entgegengehalten. Der Weg zu einer freien Gesellschaft, von sozialer Gerechtigkeit ganz zu schweigen, mag dann noch lang sein, aber er könnte anders als im gegenwärtigen System wenigstens beschritten werden.

Es gibt in dieser Situation keine Neutralität! Menschenrechte sind keine „inneren Angelegenheiten“, sondern universell, und das jetzige Regime ist eine globale Gefahr!

Den Kampf um ihre Freiheit müssen die Menschen im Iran selbst führen, so mutig und klug wie bisher. Doch dem Regime muss jegliche Unterstützung und Legitimität entzogen werden, die es von außen und besonders aus Deutschland erhält. Deutschland ist der wichtigste westliche Handelspartner des Iran, die Geschäfte stützen oft ganz direkt das Regime und die Revolutionsgarden. Wenige Tage vor der Wahl wurde etwa als „Wahlgeschenk“ ein Rekordgeschäft über 825 Millionen Euro mit dem stellvertretenden Ölminister der Regierung Ahmadinejad abgeschlossen, und der iranische Geheimdienst setzt gerade Überwachungstechnik von Siemens gegen die Opposition ein. Millionen Menschen im Iran, auch im Herrschafts- und Gewaltapparat des Systems, müssen sich entscheiden, auf welche Seite sie sich stellen, und sie werden dabei sehr genau beobachten, welche Signale aus dem Ausland kommen.

Wir fordern von Bundesregierung und allen gesellschaftlichen Kräften:
Die Öffnung der deutschen Botschaft im Iran für verfolgte und verwundete Menschen – das Auswärtige Amt erklärte heute morgen, es sei „nur für Deutsche“ zuständig!
Jede mögliche moralische und technische Unterstützung der Freiheitsbewegung im Iran
Keine Anerkennung der Regierung der Islamischen Diktatur Iran und als klares Signal die Ausweisung des iranischen Botschafters
Umfassende politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen ein Regime, das die eigene Bevölkerung brutal unterdrückt, islamistische Kräfte weltweit fördert, Israel vernichten will und auf dem Weg zur Atommacht ist.

STOP THE BOMB-Koalition, 21.6.2009

Auf zum No Nation Festival!

Das No Nation Festival ist ein selbstorganisiertes und selbstverwaltetes Konzert, veranstaltet von einer Gruppe Menschen, die die Musik und vorallem ihre Szene lieben. Der Gewinn des Konzerts wird an die Rote Hilfe gespendet, an diejenigen die sich für Menschen einsetzen, die z.B. im April diesen Jahres gegen den Kriegsapparat NATO demonstriert haben und nun aufgrund dessen hinter Gittern sitzen. Betroffen sind wenige, gemeint sind wir alle!

Folgende Bands werden euch den Abend versüßen:

19.00 – 19.30 Terror Mortis (Death Metal / Grindcore)
19.45 – 20.45 Nic Knatterton und Johanna (Hip-Hop)
20.45 – 21.30 Enraged Minority (Street-Punk)
22.15 – 22.45 Nervous Breakdown (Hardcore)
23.00 – 23.45 DayToDaze (Melodic Hardcore Punk)
00.00 – 00.30 Schlagwort (Hip-Hop aus St. Ingbert)
00.45 – 01.30 No Guts No Glory (Politischer Stadionrock)

Das No Nation Festival wird am 04.07.2009 in Ulmet, Rheinland-Pfalz stattfinden. Die Karten kosten je 7 Öcken, Zelten könnt ihr für lau. Falls euch die Entfernung abschrecken sollte: Ulmet liegt ein paar Kilometer vor Idar-Oberstein, also gar kein Ding. Und abgesehen davon: Für dicken Untergrund.Rap und Nic Knatterton aka Knatterkarl aka Carlos Kalashnikov kann mensch auch mal in die pfälzische Provinz fahren.

Mehr Informationen, u. a. zur Anfahrt gibt es unter http://www.myspace.com/nationno.

Squat Art | Luxemburg

Seit nun fast schon sechs Wochen haben Menschen aus Luxemburg ein Haus im Stadtteil Pfaffental in der Rue Mansfeld besetzt. Die in der Mehrheit jungen BesetzerInnen gingen diesen Schritt nicht nur um der eigenen Obdachlosigkeit zu entkommen, sondern auch um auf die große Wohnungsnot und die grassierende Immobilienspekulation im kleinen Großherzogtum Aufmerksam zu machen. Nach anfänglicher Schockstarre reagierten die Behörden mit einem Bullenkommando, welches die Stromversorgung zerstörte und die Personalien der Anwesenden aufnahm. Erst Proteste führten zu einem Gesprächstermin mit HausbesetzerInnen, Anwalt und Gemeindeverwaltung. Obwohl die luxemburgischen Genossen einen Dialog für möglich halten, wurde das Haus auf eventuelle weitere Angriffe vorbereitet. Was das einzige besetzte Haus Luxemburgs jetzt braucht, ist Solidarität: Schreibt darüber, redet darüber, informiert euch, fahrt hin, und das nicht nur wenn´s brenzlig wird.

Eine Solidaritätskolonne der Antinationalen Offensive Saar [ANO] war vor Ort, und hat krasse Bilder vom besetzten Haus mitgebracht. Eine Auswahl seht ihr gerade, den Rest gibts beim vandalismus.blogsport flickr-Stream.

Die erste Erklärung aus dem Squat findet ihr hier, Infos über den Bulleneinsatz und die nachfolgenden Proteste gibt´s bei indymedia. Für aktuelles einfach mal öfters auf antinationale.org vorbeischauen.

Für autonome Freiräume! Die Häusern denen, die darin wohnen!

Out Of Area – Hamburg

Willst du Battle? Kriegst du Battle!

Das Leben als Streetartist in Saarbrücken könnte eigentlich ganz entspannt sein: Kleben ist meist ne ganz unstressige Angelegenheit, die komplette Stadt ist voller potenzieller Ziele und wirklich teuer ist der Spaß im Vergleich zu diversen anderen Freizeitaktivitäten auch nicht. Wie gesagt, es könnte ganz entspannt sein, wären da nicht Bullen, das Ordnungsamt und die liebe Stadtreinigung mit ihrer Blockwart-Kampagne „Sauber ist schöner“ .

Diese roten Schilder waren schon ein mächtiges Ärgernis für jeden vernünftigen Menschen mit etwas Sinn für Ästhetik, aber dagegen konnte mensch wenigstens mit relativ wenig Aufwand, z. B. einem einfachen Cutter etwas tun. Gleichzeitig ist so ein Metallschild durchaus wiederverwendbar, wie chromaphil gezeigt hat, oder wie es aktuell die wunderbaren Audrey-Hepburn-Portraits tun.

Doch nun drehen die Meister Proper-Faschos richtig auf: Die Reinigung von Straßenlaternen, Stromkästen und Mülleimern wird seit wenigen Wochen nicht mehr nur den schon klebenden Werken zum Verhängnis, sondern auch ihren potentiellen Nachfolgern. Was zuerst um das St. Johanner Rathaus, und dann um den Landwehrplatz herum für Verärgerung sorgte, wird nun auch im Nauwieser Viertel großflächig angewandt: Silikonspray, welches als Trennmittel zwischen Kunstwerk und z. B. Straßenlaterne fungiert, so das Anhaften von Klebstoffen verhindert und zusätzlich ein kinderleichtes Entfernen garantiert. Das Teuflische an dem Zeug ist, dass es verdammt schwer zu entfernen ist, zumal mit den vor Ort gegeben Möglichkeiten.

Aber hey, wenn die ZKE Beef haben will, bekommt sie auch Beef.

Es gibt Möglichkeiten sich dieser Silikonscheiße zu entledigen. Wer es bequem, schnell und mit Stil mag, dem sei der Schnellreiniger von LiquiMoly als Spraydose empfohlen. Günstiger, aber unhandlicher ist z. B. handelsüblicher Nitroverdünner, den mensch allerdings erst auf einen Lappen auftragen muss. Dies gilt auch für flüssigen Silikonentferner, Waschbenzin oder alkoholbasierte Reiniger aus dem Baumarkt.

In diesem Sinne: Lasst euch das nicht gefallen! The streets are ours!

Wonderful Audrey

Burner Bombings




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